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09.07.10 18:13

Fachtag zur Sozialwirtschaft am 23.08.2010 in Jena

 

Fachtag der LIGA Thüringen in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie zur Sozialwirtschaft

„Sozialwirtschaft – ein innovativer sozialwirtschaftlicher Gestalter von Zukunftsfragen“

Unter diesem Motto begrüßte Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, LIGA-Vorsitzender und Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, am 23.08.2010 den Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig, Abgeordnete der Fraktionen im Thüringer Landtag, Vertreter aus Wirtschaftsverbänden, Universitäten, Hochschulen, den Landkreisen und kreisfreien Städten, aus den Verbänden und Einrichtungen, interessierte Gäste und das Team des „Thüringen Journals“ vom MDR zum Fachtag zur Sozialwirtschaft. Der Fachtag fand in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie statt.

Ziel des Fachtages war es, die Potenziale der Sozialwirtschaft aufzuzeigen und die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Entwicklung in Thüringen herauszuarbeiten. Die LIGA Thüringen hatte zu diesem Zweck auf Grundlage der Europäischen Entschließung zur Sozialwirtschaft (208/2250(INI)) im Vorfeld ein Positionspapier erarbeitet, welches mit konkreten Handlungsempfehlungen auf dem Fachtag vorgestellt und in einer Podiumsdiskussion vertieft wurde.

Dem Grußwort von Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg folgte die Vorstellung des LIGA-Positionspapiers durch Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer der PARITÄTISCHE Thüringen, in dem Handlungsbedarfe aus der Europäischen Entschließung aufgenommen und in den Kontext des wirtschaftspolitischen Handelns der Landesregierung gestellt wurden. Um folgende Aspekte geht es im Einzelnen bei der Förderung der Sozialwirtschaft:

a)     Gesellschaftsrechtliche Grundlagen

b)     Existenzgründungs- und Organisationsberatung in der Sozialwirtschaft

c)     Finanzierungsbedingungen und Zugang zu Krediten

d)     Vergaberecht

e)     Die Rolle der Sozialwirtschaft als Arbeitgeber

f)      Zusammenarbeit von öffentlicher Verwaltung und
        Freier Wohlfahrtspflege

g)     Forschung und Entwicklung

h)     Nachhaltige Entwicklung und Qualitätssicherung

i)      Zivilgesellschaftliche Beteiligung und Mitwirkung

j)      Die Wahrnehmung der Sozialwirtschaft verbessern

Das LIGA-Positionspapier Argumente finden Sie unten stehend.

Nach der Vorstellung des LIGA-Positionspapiers stellte Prof. Dr. Kranenpohl von der Evangelischen Hochschule Nürnberg und der Universität Passau eine Studie vor, die den Umfang und die wirtschaftliche Bedeutung der Sozialwirtschaft am Beispiel Bayerns verdeutlichte. Aus unterschiedlichen Perspektiven entstand ein hinterlegtes Bild der Sozialwirtschaft als Wirtschaftsfaktor im Vergleich zu anderen Branchen und insbesondere auch als Regionaler Wirtschaftsfaktor. Besonders deutlich wurde die Rolle der Sozialwirtschaft als Steuer- und Beitragszahler. So fließen zum Beispiel 50 Prozent der Ausgaben für Soziales wieder an die öffentliche Hand zurück. Die Studie ist unter

 http://www.evhn.de/index.php?binobj=file&cmd=passthru&oid=2464 abrufbar.

Im Anschluss an die Ausführungen von Prof. Dr. Kranenpohl folgte Prof. Dr. Behr von der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit seinem Referat „Expansionsmarkt Sozialwirtschaft und die spezifische Situation von Unternehmen der Sozialwirtschaft“. Er ging in seinen Erläuterungen speziell auf die Fachkräftesituation in der Sozialwirtschaft ein und bezog dabei die  aktuelle Studie „Fachkräfteentwicklung in der. Thüringer Gesundheits- und. Sozialwirtschaft“ mit ein. So machte er sehr deutlich das Fachkräfte nur dann gehalten bzw. gewonnen werden, wenn sie unter anderem ein gut organisiertes soziales Umfeld vorfinden. Er warnte auch davor den Wachstumsmarkt Sozialwirtschaft, der zum einen die gesellschaftliche Dimension von wachsender sozialer Nachfrage und zum anderen das daraus resultierenden wachsenden ökonomische Potenzial aufnimmt, nicht durch Kürzungen auszubremsen. Da die so genannten „weichen“ Standortfaktoren, immer wichtiger werden bei der Fachkräftebindung und –gewinnung, auch für die Industrie.

Nach diesen beiden interessanten und informativen Referaten, kam der Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie Matthias Machnig zu Wort. Der Wirtschaftsminister, auf dessen Initiative der Fachtag zu Stande kam, stellte dar, dass die Bayrische Studie auch für die Diskussionen in Thüringen sei. Da es im Freistaat kaum valide Daten zur Sozialwirtschaft gibt, schlug er vor, unter Federführung seines Hauses gemeinsam mit den LIGA-Verbänden einen Sozialwirtschafts-bericht für Thüringen zu erstellen.

In der Anschließenden Pause, konnten die TeilnehmerInnen die vielen Information in Gesprächen mit den Anwesenden Fachleuten vertiefen, bevor zu einer angeregten Podiumsdiskussion eingeladen wurde. Folgende Teilnehmer diskutierten mit:

Matthias Machnig, Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie;Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer Der PARITÄTISCHE Thüringen;Prof. Dr. Michael Behr, Friedrich-Schiller-Universität Jena;Prof. Dr. Uwe Kranenpohl, Evangelische Hochschule Nürnberg / Universität Passau;Moderation:Frieder Weigmann, Pressesprecher Diakonie Mitteldeutschland;Stefan Werner, Pressesprecher Der PARITÄTISCHE Thüringen;

In der Podiumsdiskussion wurden einige Aspekte des LIGA-Positionspapiers noch einmal konkret aufgenommen und überlegt, welche Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Agieren der Sozialwirtschaft in Thüringen geschaffen und weiterentwickelt werden sollten. Die LIGA präsentierte unter dem Motto „LIGA fragt nach“ zwei Beispiele, wo Ansätze von den LIGA-Verbänden bereits selber entwickelt wurden. Vorgestellt wurden das Kompetenzzentrum für strategische Sozialplanung und die Markus-Gemeinschaft e.V. auf dem Gutshof Hauteroda. Diese beiden Projekte sind ein gutes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen für die Sozialwirtschaft stimmen. Des Weiteren waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Gesellschaftliche Akzeptanz von sozialen Berufen verbessert werden muss. Prof. Dr. Kranenpohl machte sehr deutlich, dass für viele Menschen z.B. das Herstellen eines Autos Arbeit ist, aber nicht die Arbeit am und für den Menschen. Hier muss auch die Sozialwirtschaft einiges tun, um die Akzeptanz der Berufe und die Wichtigkeit der Tätigkeiten herauszustellen. Ein weiterer Punkt in dem Einigkeit herrschte, war dass die Bezahlung in der Sozialwirtschaft verbessert werden muss, um die notwendigen Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass der Fachtag eine gelungene Veranstaltung war, der mit über 60 TeilnehmerInnen auf eine gute Resonanz stieß. Das Wichtigste Ergebnis ist die Zusage des Wirtschaftsministers einen Sozialwirtschaftsbericht in Zusammenarbeit des Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie und der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen zeitnah erstellen zu lassen. Ein Weiterer wichtiger Punkt ist, dass sowohl die LIGA als auch das Ministerium und die Wissenschaft offensiv daran arbeiten, die Akzeptanz der Sozialwirtschaft in der öffentlichen Wahrnehmung zu verbessern.